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Tierschutz & Tierrechte
Aktualisiert: vor 1 Stunde 16 Minuten

Urteil: Filmen in Ställen ist grundsätzlich legal

Do, 22/02/2018 - 18:34

Pressemitteilung

© Hendrik Haßel

Heute hat das Oberlandesgericht Naumburg drei Tierschützer in dritter Instanz endgültig freigesprochen. Sie hatten sich Zutritt zu einer Schweinemastanlage in Sandbeiendorf (Sachsen-Anhalt) verschafft und dort grausame Zustände gefilmt. Dieses Grundsatzurteil ist wegweisend für den Tierschutz. Das Gericht sieht den begangenen Hausfriedensbruch als legitimes Mittel an, um Tierquälerei und Behördenversagen öffentlich zu machen. Die Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz sowie die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt haben die angeklagten Tierschützer der Organisation Animal Rights Watch (ARIWA) in dem Gerichtsprozess unterstützt.

Der Vorsitzende Richter lobte die Tierschützer: man müsse ihnen für ihr mutiges Handeln danken, zumal sie sich voll zur Tat bekannten und somit das Risiko einer Strafverfolgung in Kauf genommen haben. Der Hausfriedensbruch der drei Aktivisten sei die Ultima Ratio gewesen, weil sonst niemand eingeschritten war. Die zuständige Veterinärbehörde hatte zuvor bei Kontrollen die Zustände in der Anlage nicht beanstandet. Der Richter kritisierte die Behörde deutlich: »Hier ist bewusst vertuscht worden.« Denn die Kastenstände für die Zuchtsauen in der Anlage seien seit Jahren zu klein, »und nicht plötzlich eingelaufen«. Auch die Spaltenböden seien nicht über Nacht entstanden.

»Das heutige Grundsatzurteil ist von weitreichender Bedeutung«, sagt Mahi Klosterhalfen, Geschäftsführer der Albert Schweitzer Stiftung. »Bislang war nicht abschließend gerichtlich geklärt, in was für einem juristischen Rahmen sich Tierschützer bewegen, die unbemerkt Aufnahmen in Ställen anfertigen. Die Zustände in der Anlage in Sandbeiendorf und das Versagen des Veterinäramts stehen für etliche Fälle, in denen Tierschützer auf diese Weise die grausamen Bedingungen in der sogenannten Nutztierhaltung ans Licht bringen.«

Für einen Freispruch reichte dem Oberlandesgericht der »Rechtfertigende Notstand«, der das Handeln der drei Tierschützer legitimierte. Die Aktivisten hätten Beweise gesichert und dafür gesorgt, dass endlich etwas geschieht. Das Urteil sei jedoch nicht als Freibrief für jeden Hausfriedensbruch zu verstehen. In diesem Fall lagen jedoch den Tierschützern vorab glaubhafte Hinweise für Missstände vor, die sich auch bestätigt haben.

In der Revisionsverhandlung folgte das Oberlandesgericht mit seinem Urteil den beiden vorausgegangenen gerichtlichen Instanzen. Diese hatten die Angeklagten ebenfalls freigesprochen: Das Amtsgerichts Haldensleben begründete den Freispruch im September 2016, indem es das Handeln der Tierschützer nach § 34 StGB »Rechtfertigender Notstand« bewertete, der einen Hausfriedensbruch erlaube. Diese Einschätzung bekräftigte das Landgericht Magdeburg als Berufungsinstanz im Oktober 2017. Es hielt den Angeklagten sogar den noch gewichtigeren Rechtfertigungsgrund der Nothilfe (§ 32 StGB) zugute und begrüßte deren Handeln ausdrücklich. Gegen beide Urteile hat sich die Staatsanwaltschaft Magdeburg erfolglos gewehrt und jetzt letztinstanzlich verloren.

»Jetzt können sich Rechercheteams von Tierschutzorganisationen in einem juristisch sicheren Rahmen bewegen, wenn ein glaubhafter Verdacht vorliegt und das zuständige Veterinäramt trotz bekannter Verstöße nicht eingeschritten ist«, sagt Klosterhalfen. »Dies ist auch ein überfälliger Weckruf an die Veterinärämter, bei Vergehen gegen das Tierschutzrecht endlich konsequent einzugreifen.«

Hintergrund

Im Sommer 2013 hatten sich die Tierschützer von ARIWA nachts Zugang zu einem der größten Schweinezuchtbetriebe Deutschlands mit über 60.000 Tieren verschafft. Sie nutzten Einwegkleidung und desinfizierte Kameras, um keine Keime einzutragen. Ziel war es, die Zustände zu filmen, über die ihnen eine Informantin vorher berichtet hatte. In den Aufnahmen waren erhebliche Tierquälerei und schwere tierschutzrechtliche Verstöße zu sehen. ARIWA erstattete daraufhin Anzeige gegen den Halter der Tiere, die van Gennip Tierzuchtanlagen GmbH & Co. KG. Einen Großteil der Verstöße bestätigte das Veterinäramt im anschließenden Ermittlungsverfahren, obwohl es bei vorangegangenen Kontrollen nichts beanstandet hatte. Gegen den Halter der Schweine ergingen Zwangsgelder im fünf- und sechsstelligen Bereich. Das Strafverfahren gegen Verantwortliche der van Gennip GmbH wegen hundertfachen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz wurde Ende 2015 eingestellt. Die Tierschützer standen dagegen bis heute vor Gericht.

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Klage im Fall Schulze Föcking

Di, 20/02/2018 - 10:00

Pressemitteilung

Die Tierschutzorganisation Animal Rights Watch (ARIWA) hat am 9. Februar 2018 beim Verwaltungsgericht Münster Klage gegen den Kreis Steinfurt eingereicht. Der Vorwurf: Das Veterinäramt des Kreises nimmt tierschutzrechtliche Verstöße in der Schweinemast Schulze Föcking nicht ernst. Im Familienbetrieb der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerin hatte zuvor der Verein tierretter.de tierquälerische Zustände aufgedeckt und im Juli 2017 veröffentlicht. Grundlage der Klage ist das Tierschutz-Verbandsklagerecht, für das ARIWA in Nordrhein-Westfalen anerkannt ist. Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt finanziert dieses Verfahren.

Zunächst hatte ARIWA das zuständige Veterinäramt aufgefordert, nach § 16a des Tierschutzgesetzes einzuschreiten und dem Betreiber die Haltung von Schweinen zu untersagen. Weiterhin fordert die Tierschutzorganisation vom Veterinäramt, ihr Akteneinsicht in die tierschutzrelevanten Unterlagen zu gewähren – einschließlich der Vorgänge bei Kontrollen des Betriebs. Das Veterinäramt hat jedoch beides abgelehnt.

»Die Verstöße im Familienbetrieb der NRW-Agrarministerin Schulze Föcking sind aus unserer Sicht gravierende Vergehen gegen das Tierschutzgesetz«, sagt Mahi Klosterhalfen, Geschäftsführer der Albert Schweitzer Stiftung. »Die Aufnahmen zeigen, dass viele Tieren unter starken und lang anhaltenden Schmerzen leiden mussten. Wenigstens können wir nach dem fruchtlosen Austausch mit den Behörden jetzt eine gerichtlich neutrale Klärung des Falls ermöglichen.«

Veterinäramt ist nicht neutral

Am 12. Juli 2017 hatte stern TV Filmaufnahmen gezeigt, die Tierschutzaktivisten im März und Juni im Betrieb Schulze Föcking gemacht hatten. Zu sehen waren Schweine mit Bissverletzungen, handtellergroßen, eitrigen Wunden sowie schweren Entzündungen u. a. von Gelenken. Die Tiere wurden offenbar zu spät und ungenügend versorgt.

Das Veterinäramt in Steinfurt gab hingegen an, bei einer Kontrolle der Ställe keine Tierschutzverstöße festgestellt zu haben. Da das Veterinäramt letztlich der Landwirtschaftsministerin unterstellt ist, sind laut Klosterhalfen dessen Kontrollen wegen Befangenheit jedoch untauglich. »Verstößt der Familienbetrieb einer Landwirtschaftsministerin in beträchtlicher Weise gegen das Tierschutzrecht, ist das schon skandalös«, so Klosterhalfen. »Für erhebliche Mängel im Haltungssystem sowie eine verzögerte und unzureichende tierärztliche Behandlung muss auch der Betrieb Schulze Föcking zur Rechenschaft gezogen werden.«

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Ranking: Vegane Pizza in der Systemgastronomie

Di, 13/02/2018 - 06:00

Pressemitteilung

© Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt hat das vegane Pizza-Angebot in der Systemgastronomie verglichen. Für ihr jüngstes Ranking hat die Stiftung die größten Pizza-Lieferdienste untersucht. Auch Systemgastronomen, bei denen Pizza einen wesentlichen Teil des Angebots ausmacht, hat sie bewertet. Vegane Pizza-Kreationen, die über ein »Selbst-Zusammenstellen« hinausgehen, bieten nur Hallo Pizza und Call a Pizza an. Hallo Pizza führt das Ranking der Großen in der Branche an.

Bei den größten Pizzaketten fehlt leider noch zu häufig ein echtes veganes Pizza-Angebot: Für eine vegane Variante müssen Kunden ihre Pizza dort ohne Käse bestellen. Im Fall von L’Osteria und Pizza Hut ist nicht einmal die Rezeptur des Teigs vegan: Anders als beim italienischen Original enthält der Teig Ei und/oder Milch. Positiv stechen Hallo Pizza und Call a Pizza mit jeweils vier veganen Pizzen heraus. Hallo Pizza bietet sogar eine pflanzliche Käsealternative an; Call a Pizza nutzt Hefeschmelz. Fleischalternativen als Belag hat dagegen noch keines der untersuchten Unternehmen im Angebot.

»Die Nachfrage nach genussvollen, veganen Produkten steigt auch in der Systemgastronomie«, sagt Silja Kallsen-MacKenzie, Kampagnenleiterin der Albert Schweitzer Stiftung. »Einige Unternehmen haben dieses Potenzial für den Unternehmenserfolg bereits erkannt. Rankings erlauben es Unternehmen und Kunden, das Engagement der Anbieter in diesem Segment zu vergleichen.«

Gute Kennzeichnung bei Call a Pizza und Hallo Pizza

Vapiano und L’Osteria bieten zwar keine vegane Pizza, dafür aber mehrere vegane Hauptspeisen an. Hierfür gibt es Zusatzpunkte bei der Bewertung; maßgeblich ist jedoch das Pizza-Angebot. Ebenfalls berücksichtigt wird der vegane Anteil am Gesamtsortiment der Anbieter, die Kundenkommunikation zu veganen Speisen sowie deren Kennzeichnung. Für ein gelungenes Labeling der Produkte erhalten Call a Pizza und Hallo Pizza die meisten Zusatzpunkte.

»Pizza ist eines der beliebtesten Gerichte in der Systemgastronomie in Deutschland«, sagt Katleen Haefele, Leitung ProVeg Food Services. Die Ernährungsorganisation ProVeg (ehemals Vegetarierbund Deutschland) unterstützt das Ranking der Albert Schweitzer Stiftung. »Für Pizza-Hersteller ist es mittlerweile sehr einfach, eine gute vegane Pizza anzubieten. Es gibt vielfältige pflanzliche Alternativen, wie zum Beispiel ansprechende Käsealternativen als Belag, die es möglich machen, auf die wachsende Nachfrage der Verbraucher zu reagieren«, so Haefele.

Für das Ranking kamen Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von mindestens 30 Mio. Euro im Jahr 2016 auf den Prüfstand. Das Ranking berücksichtigt sämtliche im Januar 2018 auf der jeweiligen Unternehmenswebsite angebotenen Gerichte einschließlich Snacks und Desserts. Diese bilden das vollständige Menü jedes Anbieters ab.

Die Ergebnisse der einzelnen Unternehmen Platz 1: Hallo Pizza

Das vegane Angebot überzeugt mit vier Pizza-Eigenkreationen, einer pflanzlichen Käsealternative sowie einem weiteren Hauptgericht und vielen Vorspeisen/Snacks. Zusatzpunkte gibt es für eine gelungene Kennzeichnung sowie für die Kundenkommunikation zum Thema vegan bzw. zu veganen Speisen. Hallo Pizza wurde kürzlich von Domino’s gekauft, agiert aber derzeit noch unter der eigenen Marke. Zu hoffen ist, dass nach der Übernahme das gute vegane Angebot von Hallo Pizza erhalten bleibt.

Platz 2: Call a Pizza

Auch hier gibt es vier eigene vegane Pizzen, Hefeschmelz als Alternative zu Kuhmilch-Käse sowie ein weiteres veganes Hauptgericht und einen Snack. Das Unternehmen hat die Kennzeichnung mit am besten umgesetzt und erhält dafür Extrapunkte.

Platz 3: Vapiano

Vapiano kann mit fünf veganen Hauptgerichten sowie jeweils zwei veganen Snacks und Desserts punkten. Leider bietet keine Standard-Pizza einen vollständig veganen Belag. Für die Vegan-Kommunikation an Kunden gibt es Zusatzpunkte.

Platz 4: Smiley’s

Das Unternehmen hat nur ein Hauptgericht und einen Snack als veganes Angebot. Der Pizzateig ist vegan, nicht aber der Belag. Kunden müssen für eine vegane Pizza den Käse abbestellen. Eine funktionierende Kennzeichnung ist vorhanden.

Platz 5: Pizza Max

Pizza Max bietet ebenso bloß ein Hauptgericht und einen Snack vegan an. Auch hier gibt es vegane Pizza allenfalls als Sonderwunsch ohne Käse. Ein Labeling der Produkte fehlt oder ist ungenügend.

Platz 6: Domino’s

Vegane Pizza bekommt man hier ebenfalls nur mit dem Abbestellen von Zutaten. Vegan sind sonst lediglich zwei Snacks/Vorspeisen und eine Beilage. Ein klares Labeling ist nicht vorhanden. In Australien bereichern seit Kurzem drei vegane Pizzen mit einer pflanzlichen Käsealternative die Menükarte des Unternehmens. In Israel bestehen für Kunden schon länger vielfältige vegane Optionen. Mit einem entsprechenden Angebot in Deutschland würde Domino’s auf einem deutlich höheren Platz landen.

Platz 7: L’Osteria

Das Unternehmen bietet keinen veganen Pizzateig an, dafür aber vier vegane Hauptgerichte sowie jeweils einen Snack und ein Dessert. Auch hier gibt es kein klares Labeling der Produkte.

Platz 8: Pizza Hut

Das Schlusslicht des Rankings ist das umsatzstärkste Unternehmen mit lediglich einem veganen Snack. Der Pizzateig ist nicht vegan, und ein klares Labeling fehlt. In Großbritannien hingegen zeigt Pizza Hut mit einer veganen Käsealternative für seine Pizza, dass es bereits anders kann.

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Der Artikel Ranking: Vegane Pizza in der Systemgastronomie wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Ranking: Vegane Pizza in der Systemgastronomie

Di, 13/02/2018 - 06:00
© Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

Viele Unternehmen der Systemgastronomie bieten ihrer Kundschaft bereits eine Auswahl an veganen Optionen an. Längst gehen diese über Pommes oder Salat hinaus. Wie sieht es aber bei Pizza aus, dem Lieblingsgericht vieler Menschen in Deutschland?

Wir haben das vegane Pizza-Angebot in der Systemgastronomie verglichen. Hierfür haben wir die größten Pizza-Lieferdienste unter die Lupe genommen; ebenso Systemgastronomen, bei denen Pizza einen wesentlichen Teil ihres Angebots ausmacht. ProVeg Deutschland (ehemals Vegetarierbund Deutschland) unterstützt unsere Untersuchung.

Bestes Vegan-Angebot: Hallo Pizza

Positiv stechen Hallo Pizza und Call a Pizza mit jeweils vier veganen Pizzen heraus. Hallo Pizza bietet zudem viele vegane Vorspeisen/Snacks und sogar eine pflanzliche Käsealternative als Pizzabelag an; Call a Pizza nutzt hierfür Hefeschmelz. Bei beiden Unternehmen ist auch die gelungene Kennzeichnung ihres veganen Angebots zu loben.

Bei den anderen großen Pizzaketten fehlt dagegen noch ein echtes veganes Pizza-Angebot. KundInnen müssen sich ihre Pizza entsprechend selbst zusammenstellen und ohne Käse ordern, da die Ketten keine eigenen veganen Kreationen auf der Karte haben.

Im Fall von L’Osteria und Pizza Hut ist nicht einmal der Teig vegan. Fleischalternativen wie vegane Wurst hat noch überhaupt keines der untersuchten Unternehmen als Pizzabelag auf der Speisekarte.

Vapiano und L’Osteria bieten zwar keine vegane Pizza, dafür aber mehrere vegane Hauptspeisen an. Hierfür gibt es Zusatzpunkte bei unserer Bewertung; maßgeblich ist jedoch das Pizza-Angebot. Ebenfalls berücksichtigen wir den veganen Anteil am Gesamtsortiment der Anbieter, die Kundenkommunikation zu veganen Speisen sowie deren Kennzeichnung. Für das beste Labeling der Produkte erhalten Call a Pizza und Hallo Pizza die meisten Zusatzpunkte.

Die Ergebnisse der einzelnen Unternehmen im Detail

Für das Ranking kamen Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von mindestens 30 Mio. Euro im Jahr 2016 auf den Prüfstand. Das Ranking berücksichtigt sämtliche im Januar 2018 auf der jeweiligen Unternehmenswebsite angebotenen Gerichte einschließlich Snacks und Desserts. Diese bilden das vollständige Menü jedes Anbieters ab.

Platz 1: Hallo Pizza

Das vegane Angebot überzeugt mit vier Pizza-Eigenkreationen, einer pflanzlichen Käsealternative sowie einem weiteren Hauptgericht und fünf Vorspeisen/Snacks. Zusatzpunkte gibt es für eine gelungene Kennzeichnung sowie für die Kundenkommunikation zum Thema vegan bzw. zu veganen Speisen. Hallo Pizza wurde kürzlich von Domino’s gekauft, agiert aber derzeit noch unter der eigenen Marke. Zu hoffen ist, dass nach der Übernahme das gute vegane Angebot von Hallo Pizza erhalten bleibt.

Platz 2: Call a Pizza

Auch hier gibt es vier eigene vegane Pizzen, Hefeschmelz als Alternative zu Kuhmilch-Käse sowie ein weiteres veganes Hauptgericht und einen Snack. Das Unternehmen hat die Kennzeichnung mit am besten umgesetzt und erhält dafür Extrapunkte.

Platz 3: Vapiano

Vapiano kann mit fünf veganen Hauptgerichten sowie jeweils zwei veganen Snacks und Desserts punkten. Leider hat keine Standard-Pizza einen vollständig veganen Belag. Für die Vegan-Kommunikation an Kunden gibt es für Vapiano Zusatzpunkte.

Platz 4: Smiley’s

Das Unternehmen hat nur ein Hauptgericht und einen Snack als veganes Angebot. Der Pizzateig ist vegan, nicht aber der Belag. Kunden müssen für eine vegane Pizza den Käse abbestellen. Eine funktionierende Kennzeichnung ist vorhanden.

Platz 5: Pizza Max

Pizza Max bietet ebenso bloß ein Hauptgericht und einen Snack vegan an. Auch hier gibt es vegane Pizza allenfalls als Sonderwunsch ohne Käse. Ein Labeling der Produkte fehlt oder ist ungenügend.

Platz 6: Domino’s

Vegane Pizza bekommt man hier ebenfalls nur, indem man Zutaten abbestellt. Vegan sind sonst lediglich zwei Snacks/Vorspeisen und eine Beilage. Ein klares Labeling ist nicht vorhanden. In Australien hingegen bereichern seit Kurzem drei vegane Pizzen mit einer pflanzlichen Käsealternative die Menükarte des Unternehmens. In Israel bestehen für Kunden der Kette schon länger vielfältige vegane Optionen. Mit einem entsprechenden Angebot in Deutschland würde Domino’s auf einem deutlich höheren Platz landen.

Platz 7: L’Osteria

Das Unternehmen bietet keinen veganen Pizzateig an, dafür aber vier vegane Hauptgerichte sowie jeweils einen Snack und ein Dessert. Auch hier gibt es kein klares Labeling der Produkte.

Platz 8: Pizza Hut

Das Schlusslicht des Rankings ist das umsatzstärkste Unternehmen mit lediglich einem veganen Snack. Der Pizzateig ist nicht vegan und ein klares Labeling fehlt. In Großbritannien beweist Pizza Hut jedoch mit einer veganen Käsealternative für seine Pizza, dass es bereits anders kann.

Fazit

Unsere Erhebung zeigt, dass bei den Großen der Branche noch viel Potenzial besteht, auf die Nachfrage nach veganer Pizza einzugehen. Auch wenn der Teig meist – wie beim Originalrezept – vegan ist, müssen KundInnen für eine vegane Variante Käse extra abbestellen. Käsealternativen bieten die wenigsten an. Viele Unternehmen haben zudem nur eine geringe Auswahl an sonstigen veganen Hauptspeisen und Snacks. Auch die Kennzeichnung des veganen Angebots könnte oftmals besser sein.

Dass es für alle großen Pizza-Hersteller hierzulande gut möglich wäre, eine gute vegane Pizza anzubieten, zeigen Beispiele aus anderen Ländern. Die größten der Branche wie Pizza Hut und Domino’s haben anderswo schon vegane Pizza-Varianten mit Käsealternativen im Programm.

Der Artikel Ranking: Vegane Pizza in der Systemgastronomie wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Schlachtzahlen 2017: 8 Mio. Tiere weniger

Sa, 10/02/2018 - 14:28
© racorn – Shutterstock

Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Schlachtzahlen für das Jahr 2017 veröffentlicht. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Fleischmenge um 2,0 % (-167.000 Tonnen) auf insgesamt 8,1 Mio. Tonnen gesunken. Die Zahl der geschlachteten Tiere ist mit 745 Mio. (-8,1 Mio. Tiere gegenüber dem Vorjahr) jedoch immer noch extrem hoch. Wie die Schlachtzahlen für die einzelnen Tierarten aussehen und wie wir diese Entwicklungen bewerten, führen wir im Folgenden aus.

Schlachtungen von Schweinen

Die mit Abstand größte Schlachtmenge wird nach wie vor über Schweine erzeugt: 5,45 Millionen Tonnen waren es 2017. Sowohl die Zahl der Schlachtungen importierter Tiere (-18,0 %) als auch inländischer Schweine (-1,3 %) nahm im Vergleich zum Vorjahr ab, was einer Reduktion um 1,5 Mio. Tiere (-2,6 %) entspricht. Insgesamt wurden 2017 knapp 57,9 Mio. Schweine geschlachtet, was einem Rückgang um 1,5 Mio. Tieren entspricht.

Rinder-Schlachtungen

Bei der Schlachtmenge für Rinder setzt sich der Abwärtstrend des Vorjahres fort: Insgesamt wurden 1,1 Mio. Tonnen (-2,3 %) Rindfleisch erzeugt, das entspricht 3,5 Mio. Tieren (-100.000 Tiere).

Schlachtungen von Masthühnern

Die Zahl der geschlachteten Masthühner war auch 2017 mit knapp 600 Mio. Tieren (-1,3 Mio.) extrem hoch. Da das Einzelgewicht der Tiere bei der Schlachtung erneut zugenommen hat, ist die Masse der geschlachteten Masthühner auf gut 970.000 Tonnen (+1,3 %) gestiegen.

Schlachtungen von anderen Tieren

Bei den Enten (-2,3 Mio.), Puten (-2,2 Mio.) und Gänsen (-40.000) waren die Zahlen deutlich rückläufig. Insgesamt wurden 16,3 Mio. Enten, 35,1 Mio. Puten und 575.000 Gänse geschlachtet.

Die Zahl der geschlachteten Suppenhühner – die ein Leben als Legehenne hinter sich hatten – ist mit 31,3 Mio. Tieren (-0,5 Mio.) erneut leicht gesunken.

Bei Schafen, Lämmern, Ziegen und Pferden sank die Zahl der geschlachteten Tiere um gut 50.000 auf knapp 2 Mio. Tiere.

Zahlen für Fische, Kaninchen und Wirbellose werden in den offiziellen Statistiken nicht erfasst.

Unser Fazit zu den Schlachtzahlen von 2017

Obwohl die Zahlen im Vergleich zu 2016 gesunken sind, ist die Fleischproduktion in Deutschland weiterhin sehr hoch. Die Exporte von Fleisch und Fleischwaren haben zuletzt leicht zugenommen (+3,0 %), während die Importe gesunken sind (-2,8 %). In Kombination mit den sinkenden Schlachtzahlen deutet diese Entwicklung auf eine weitere Abnahme des Fleischverbrauchs in Deutschland hin, was sehr erfreulich ist.

Die aktuelle Entwicklung gilt es weiter zu beschleunigen. Gelingen kann das zum einen über weitere Veränderungen bei Konsum (weniger Tierprodukte) und Angebot (ein größeres und besseres pflanzliches Angebot). Zum anderen helfen höhere Tierschutzstandards: mehr Platz in den Ställen und weniger überzüchtete (langsamer wachsende) Tiere führen bei einer gleich bleibenden Zahl von Ställen zu weniger Produktion. Auch die Menge der weggeworfenen Tierprodukte zu reduzieren, kann sehr hilfreich sein.

An den meisten dieser Hebel arbeiten wir mit Hochdruck. Möchten Sie dabei helfen? Dann werden Sie aktiv oder ermöglichen Sie den Ausbau unserer Arbeit mit einer Förderschaft.

Der Artikel Schlachtzahlen 2017: 8 Mio. Tiere weniger wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Videovortrag zum Buch »Was Fische wissen«

Fr, 09/02/2018 - 15:56
© NadiyaKa – Shutterstock

Fische haben nichts mit uns gemein – mögen viele Menschen denken. Doch der Verhaltensforscher Jonathan Balcombe hat in seinem Buch »What a Fish knows« viele faszinierende Fakten und Geschichten zusammengetragen, die uns eines Besseren belehren. Anfang 2017 luden wir ihn nach Berlin ein. Seinen Vortrag stellen wir nun hier als Video mit deutschen Untertiteln zur Verfügung.

Der Seminarraum in der Berliner Werkstatt der Kulturen platzte aus allen Nähten, als Jonathan Balcombe vom geheimen Leben der Fische berichtete. Über vier Jahre recherchierte der Verhaltensforscher intensiv über und unter Wasser. Sein Buch erschien 2016 im Englischen und wurde ein Bestseller – sogar der Dalai Lama empfiehlt die Lektüre. Ab Frühjahr 2018 wird endlich eine deutsche Übersetzung erhältlich sein.

Balcombe lebt vegan und ist Leiter der Abteilung für Tierbewusstsein am Institute for Science and Policy der Humane Society, der weltweit größten Tierschutzorganisation. Als Experte wird er gern für Dokumentationen und Artikel befragt, denn er erzählt und schreibt verständlich, humorvoll und mitreißend. Seine Begeisterung für die atemberaubende Vielfalt und Schönheit der Fische ist einfach ansteckend. Fast zärtlich berichtet er über die Eigenheiten und Komplexität ihrer Biologie und ihres Verhalten.

Ähnlichkeiten mit uns

Wussten Sie zum Beispiel, dass Fische lebenslange Beziehungen pflegen, miteinander kommunizieren, Werkzeuge benutzen und gemeinsam jagen? Dass sie ein musikalisches Gehör haben und sogar Kunst schaffen können, um potenzielle Partnerinnen zu beeindrucken? Sie fallen auch auf die gleichen optischen Täuschungen wie wir herein und können an Stress sterben. Manche Rifffische lassen sich gern von ihrem Lieblingsmenschen streicheln und kommen dafür angeschwommen.

Über die Hälfte aller heute lebenden Wirbeltierarten gehört zu den Fischen. Der Mensch behandelt sie zumeist mit einer seltsamen Gleichgültigkeit. Mehr als eine Billion Fische töten wir jedes Jahr auf meist grausame Weise. Weil sie uns fremd sind und weil selbst die Wissenschaft lange dachte, dass sie nicht fühlen.

Balcombe bringt uns daher auf den neuesten Stand der Forschung und schafft Verständnis für diese faszinierenden Lebewesen. Sie sind intelligent, empfindungsfähig, sozial und sich ihrer Umwelt sehr bewusst – uns also durchaus ähnlich. Wir freuen uns, seinen Vortrag aus dem letzten Jahr nun veröffentlichen zu können. Er wird hoffentlich dazu beitragen, unser Bild von den Fischen nachhaltig zu ändern.

Vielen Dank an Unstumm Film fürs Filmen, Bearbeiten und Aufbereiten!

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Erfolg bei Österreichs Lebensmittelriesen Spar

Fr, 02/02/2018 - 15:47
© Posonskyi Andrey – Shutterstock

Seit mehreren Jahren bewegen wir erfolgreich deutsche und internationale Unternehmen dazu, den Handel und die Verwendung von Käfigeiern zu beenden. So haben bereits alle deutschen Supermarktketten und Discounter erklärt, ihre Sortimente in den nächsten Jahren international entsprechend umzustellen. Im Sommer 2017 haben wir zu diesem Thema auch die Spar-Gruppe Österreich angesprochen, einen der bedeutendsten Lebensmittelhändler Österreichs.

Die Spar-Gruppe Österreich ist im Lebensmitteleinzelhandel neben Österreich auch in den Ländern Italien, Ungarn, Slowenien und Kroatien tätig. Wir wollten den Handelskonzern anregen, ähnliche Schritte zu gehen wie der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland. Gemeinsam mit dem österreichischen Verein gegen Tierfabriken (VGT) und mit Unterstützung der Open Wing Alliance, des internationalen Bündnisses gegen Käfighaltung von Hühnern, konnten wir damit jetzt einen weiteren Erfolg erzielen.

Spar setzt jährlich 10 % weniger Käfigeier ein

Nach einigen Gesprächen mit uns und dem VGT hat das Unternehmen sich für einen schrittweisen Ausstieg entschieden. Vor wenigen Tagen kündigte die Spar-Gruppe an, dass ihre Länderorganisationen in Nordost-Italien, Slowenien, Ungarn und Kroatien ab spätestens 2025 keine Frischeier aus Käfighaltung mehr verkaufen.

In Österreich hatte Spar bereits seit 2004 alle Käfigeier aus dem Sortiment genommen. In den anderen Ländern verhinderten nach Angaben des Unternehmens fehlende Produktionskapazitäten bislang eine frühere Umstellung. Jetzt will Spar den Anteil an Käfigeiern in diesen Ländern jährlich um 10 % verringern, um seinen regionalen Lieferbetrieben Zeit zu geben, die erforderlichen Anpassungen und Investitionen vorzunehmen.

Mehr Bio und Freiland

Abhängig von den unterschiedlichen Anteilen an Käfigeiern in den jeweiligen Länder-Sortimenten, werden spätestens 2025 alle Frischeier aus Käfighaltung aus den letzten Spar-Regalen verschwunden sein. Dann werden nur noch Eier aus Boden-, Freiland- und Bio-Haltung angeboten. Das Angebot an Freiland- und Bio-Eiern will der Handelskonzern in den nächsten Jahren in allen Ländern ausbauen.

Auch die alternativen Haltungsformen haben aus Tierschutzsicht klare Mängel. Jedoch können Legehennen unter diesen Haltungsbedingungen zumindest einige ihrer Grundbedürfnisse ausleben. Das wird ihnen in der Käfighaltung praktisch völlig verwehrt. Daher ist die Haltung von Hühnern in engen Käfigen eine der quälerischsten Formen der Massentierhaltung.

Seine offizielle Mitteilung zum Käfigei-Ausstieg hat das Unternehmen hier auf seiner Website veröffentlicht.

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Lidl kennzeichnet Tierhaltung bei Fleisch

Do, 01/02/2018 - 16:15
© obs/LIDL/Lidl

Wir und weitere Tierschutzorganisationen fordern schon lange, eine verpflichtende Haltungskennzeichnung bei Fleischprodukten einzuführen, wie sie bei frischen Eiern bereits längst existiert. Denn die Eier-Kennzeichnung hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Anteil der besonders tierquälerischen Käfigeier Jahr für Jahr sank. Als der Käfigeier-Anteil auf etwa 50 % gesunken war, hat sie der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland schließlich ganz aus dem Sortiment genommen.

Während das Bundeslandwirtschaftsministerium seit Jahren darüber berät, ob und wie der Erfolg der Eier-Kennzeichnung auf Fleisch ausgeweitet werden soll, hat Lidl dieses Thema jetzt selbst in die Hand genommen: Der Discounter hat heute in einer Pressemitteilung angekündigt, ab April 2018 alle Frischfleischprodukte seiner Eigenmarken mit einem sogenannten Haltungskompass zu kennzeichnen.

Stufen von gesetzlichem bis Bio-Standard

Lidl wird seine Frischfleischprodukte von Schweinen, Rindern, Puten und Masthühnern anhand von vier Stufen kennzeichnen:

  1. Stallhaltung nach gesetzlichem Standard
  2. Stallhaltung Plus
  3. Auslauf
  4. Bio

Unter »Stallhaltung Plus« versteht der Discounter z. B. die Standards der Initiative Tierwohl. Diese Initiative regelt, dass pro kg Schweine- und Geflügelfleisch ein einstelliger Centbetrag zusätzlich an Tierhalter fließt, um leicht erhöhte Tierschutzstandards umzusetzen. Bei Lidls Haltungskompass gilt entsprechend für Produkte der Stufe 2, dass die Tiere etwas mehr Platz sowie Beschäftigungsmaterial bekommen. Das gekennzeichnete Fleisch muss nachweislich aus Betrieben stammen, die diese Zusatzkriterien erfüllen.

Mit »Auslauf« bezeichnet Lidl die Bereitstellung von Außenklimabereichen oder Zugang ins Freie. Zudem müssen die Tiere im Stall mindestens 30 % mehr Platz erhalten, als der gesetzliche Standard vorschreibt. Darüber hinaus muss das Futter gentechnikfrei sein.

Lidls Ziele

Kurzfristig werden die meisten Produkte bei Lidl mit der Stufe 1 gekennzeichnet sein, so wie dies bei allen großen Einzelhändlern derzeit der Fall wäre. Bis Anfang 2019 will der Discounter erreichen, dass rund 50 % seiner Frischfleischartikel auf Stufe 2 oder höher liegen. Langfristig soll das komplette Eigenmarken-Frischfleischsortiment mindestens diese Stufe erfüllen.

Unsere Einschätzung der vier Stufen

Bei den vier Stufen sind aus unserer Sicht folgende Punkte besonders wichtig:

Stufe 1: Die gesetzlichen Standards werden in der Tierhaltung regelmäßig unterlaufen. Einige Beispiele sind der Einsatz von Qualzuchten, betäubungslos durchgeführte Amputationen, zu enge Kastenstände sowie Haltungsbedingungen, die routinemäßig zu Schmerzen, Leiden und Schäden führen. Diese Probleme liegen vor allem an mangelhafter Kontrolle und Nachverfolgung seitens der Veterinärbehörden. Doch wer auf seine Produkte schreibt, dass die gesetzlichen Standards eingehalten werden, steht in einer besonderen Pflicht, deren Einhaltung auch sicherzustellen.

Stufe 2: Die Kriterien der Initiative Tierwohl liegen derzeit zu eng an den gesetzlichen Mindeststandards, um eine eigene Stufe zu rechtfertigen. Lidl und andere Lebensmitteleinzelhändler haben zwar öffentlich angekündigt, innerhalb der Initiative Tierwohl Verbesserungen anzustreben; allerdings ist völlig offen, wann und wie die Kriterien angehoben werden.

Stufe 3: Diese Stufe ist aus unserer Sicht sinnvoll, denn hier sehen wir einen echten Unterschied zu den ersten beiden Stufen: Das Platzangebot ist hier deutlich höher und Außenklimareize sind Pflicht. Wichtig wäre allerdings, noch weitere tierschutzrelevante Kriterien zu berücksichtigen. Dazu gehören etwa der Verzicht auf Qualzuchten, der Ausstieg aus Amputationen und der Einsatz von weiterem Beschäftigungsmaterial.

Stufe 4: Bei der Entwicklung der EU-Bio-Kriterien kam dem Tierschutz leider nur eine untergeordnete Rolle zu. Deshalb sind schwer leidende Bio-Tiere absolut üblich. Auch hier muss Lidl Themen wie Qualzuchten abdecken und zusätzliche Maßnahmen ergreifen, damit Stufe 4 deutlich über Stufe 3 liegt.

Ein Schritt mit großem Potenzial

Wenn Lidl die oben genannten Probleme löst, dann hat das Kennzeichnungssystem ein enormes Potenzial: Der Discounter selbst wird regelmäßig messen, wo er steht und sicherlich für eine laufende Weiterentwicklung seines Sortiments sorgen. Mitbewerber werden sich dem nicht entziehen können, sodass eine Positivspirale in Gang kommen kann. Diese könnte flächendeckend für höhere Tierschutzstandards, höhere Preise und damit für einen geringeren Fleischkonsum sorgen. All dies ist aus Aspekten des Tier-, Umwelt- und Gesundheitsschutzes dringend geboten.

Erstes Fazit

Der Schritt von Lidl, noch vor einer politischen Lösung eine eigene Fleischkennzeichnung einzuführen, ist aus unserer Sicht durchaus sehr lobenswert. Vermutlich wird dies auch neuen Schwung in die politische Debatte bringen. Das System benötigt allerdings noch einige Verbesserungen: Weitere Kriterien, wie der Verzicht auf Qualzuchten oder Amputationen, müssten Berücksichtigung finden. Insbesondere wird ein klarer Fahrplan mit deutlichen Verbesserungen bei der Initiative Tierwohl unabdingbar sein. Erst dann werden NGOs und die kritische Öffentlichkeit die 2. Stufe von Lidls Fleischkennzeichnung akzeptieren.

Spannend werden auch die Fragen sein, ob Lidl sein System beibehält, sobald eine politische Lösung vorhanden ist und wie sich andere Einzelhändler positionieren. Grundsätzlich halten wir ein einheitlich genutztes System mit klaren Abständen zwischen den Stufen für die beste Lösung, auf die wir auch hinwirken werden.

Der Artikel Lidl kennzeichnet Tierhaltung bei Fleisch wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

FAO: Kein Konflikt von Trog und Teller?

So, 28/01/2018 - 00:25
© Subbotina Anna

Die Diskussion um die Nahrungskonkurrenz zwischen »Nutztieren« und Menschen, auch als Konflikt zwischen Trog und Teller bekannt, hat neuen Schwung bekommen. Denn die Welternährungsorganisation FAO hat hierzu kürzlich eine Studie veröffentlicht. Darin stellen die AutorInnen heraus: Von den insgesamt jährlich 6 Milliarden Tonnen an Futter seien rund 86 % für den menschlichen Verzehr nicht geeignet. Der Großteil bestünde aus Gras und Ernteresten. Um 1 kg Rindfleisch zu erzeugen, sei daher auch deutlich weniger Getreide erforderlich, als oft behauptet.

Kein Wunder, dass Vertreter von Landwirtschaftsverbänden feixten. Triumphierend verkündeten sie, es gäbe gar keine Nahrungskonkurrenz und die Diskussion sei nun zum Leidwesen vieler NGOs vom Tisch. Dabei haben sie ganz wesentliche Ergebnisse der Studie übersehen oder schlicht unter den Tisch fallen lassen.

Die Studie basiert auf einer einzigartigen Datenbank die umfassende quantitative Schätzungen erlaubt, so die AutorInnen. Sie analysierten die weltweite Menge des Futters der »Nutztiere« und deren Futterverwertung. Hierbei teilten sie die Daten nach den ganz unterschiedlich effizienten Haltungssystemen auf sowie nach Art der Futtermittel. So betrachtet die Studie gesondert den auch für Menschen essbaren Anteil; dazu gehören: Getreide, Sojabohnen und andere Hülsenfrüchte sowie Bananen und Maniok.

Nur 14 % für Menschen geeignet

Den größten Anteil an der weltweiten Futtermenge haben Gras und Blätter. Sie machen laut Studie nahezu die Hälfte aus; Getreide hingegen nur 13 %. Doch der Blick auf allein diese Zahlen verleitet zu falschen Schlüssen hinsichtlich der Konkurrenz zwischen Trog und Teller. So landet denn immerhin ein Drittel des weltweit produzierten Getreides in den Trögen.

Die global zusammengefassten Werte verschleiern zudem die große Bandbreite der einzelnen Studienergebnisse. Nicht nur zwischen den Haltungssystemen finden sich große Unterschiede. Auch zwischen Wiederkäuern und anderen »Nutztieren« unterscheiden sich die Zahlen teils beträchtlich. Zu diesem Schluss gelangen auch die AutorInnen. Sie versäumen es jedoch, die Ergebnisse für die industrielle Tierhaltung ausreichend deutlich hervorzuheben. Daher zitiert die »Nutztier«-Lobby so munter die globalen Zahlen, obgleich sie die in den Industrieländern üblichen Bedingungen nicht abbilden.

»Trog und Teller«-Konkurrenz bei Schweinen und Geflügel

Für die Massentierhaltung, insbesondere von Schweinen und Hühnern, ergibt sich hingegen ein ganz anderes Bild. Das ist umso mehr von Bedeutung, weil überwiegend in großen, spezialisierten Haltungsbetrieben von Schweinen und Geflügel das Wachstum der vergangenen Jahrzehnte stattfand. Dass dieser Trend anhält, erwarten auch die AutorInnen.

Bei Schweinen und Hühnern in der industriellen Tierhaltung ist ein deutlich größerer Anteil des Futters für Menschen essbar, wie etwa Getreide, das die Hälfte ihrer Futtermenge (Trockenmasse) ausmacht. Weiter erhalten sie zwischen 9 und 25 % Schrot von Ölpflanzen wie Soja. Rund 85 % der weltweiten Sojaernte dienen der Gewinnung von Sojaschrot und Sojaöl; etwa 97 % des Schrots wird zu Tierfutter weiterverarbeitet.

Massentierhaltung ist ineffizient

Die AutorInnen sehen daher die Nachfrage nach Sojaschrot als Hauptgrund für den Sojaanbau an und weisen auf eine weitere Problematik hin. Sojaschrot sei zwar nicht direkt für die menschliche Ernährung geeignet, seine Herstellung belege aber Flächen, auf denen sich Nahrungsmittel für Menschen anbauen ließen. Die meisten Futtermittel von Schweinen und Geflügel stehen somit in direkter oder indirekter Konkurrenz zur Ernährung des Menschen.

Die Studie ermöglicht auch einen Vergleich der unterschiedlichen Futterverwertung von Tierarten und Haltungssystemen. Auch hier schneidet die industrielle Haltung von Schweinen und Hühnern schlecht ab: Um ein kg Protein in Form von Fleisch bzw. Eiern zu erzeugen benötigen Legehennen das Dreifache, Schweine mehr als das Vierfache und Masthühner sogar das Fünffache an verfütterten Proteinen. Es besteht also ein beträchtlicher Verlust. Die tatsächliche Ineffizienz dieser Haltungssysteme betont die Studie leider nicht.

Flächenkonkurrenz auch bei Weidetieren

In Deutschland ist laut Germanwatch die Nahrungskonkurrenz noch ausgeprägter: Rund 60 % des Getreides wandern nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums in die Futtertröge. Für Mastschweine hat Germanwatch einen Futtermittelanteil von gut 87 % ausgemacht, der in Konkurrenz zu Lebensmitteln für Menschen steht. Selbst in der Rindermast sieht es nicht besser aus. Aufgrund des hohen Anteils an Maissilage attestiert die NGO eine Konkurrenz in der Flächennutzung von 76 bis 94 %. Statt Mais könnten auf den Flächen Nahrungsmittel für den menschlichen Verzehr angebaut werden.

Nach Angaben FAO-Studie beansprucht die Tierhaltung derzeit 40 % des weltweiten Ackerlands; rund ein Drittel aller Getreideanbauflächen dienen der Futtermittelproduktion. Die AutorInnen weisen darauf hin, dass selbst das Grünland von Weidetieren zum Teil mit der Produktion von pflanzlichen Nahrungsmitteln konkurriert. Denn vom derzeit für Nutztiere beanspruchten Weideland könnte rund ein Drittel zum Anbau von Getreide genutzt werden. Das wäre eine Verdopplung der aktuellen globalen Getreideanbaufläche. Allerdings gibt es hierbei ökologische Bedenken.

Unser Fazit

Die FAO-Studie beansprucht, politische Entscheidungsträger und Gesellschaft über die Rolle der Nutztierhaltung für die aktuelle und künftige Ernährungssicherung zu informieren. Leider verführen die von den AutorInnen besonders hervorgehobenen Ergebnisse zu teils völlig falschen Schlüssen. Von einem Ende der »Trog und Teller«-Debatte kann keineswegs die Rede sein. Gerade in der stark wachsenden Schweine- und Geflügelindustrie ist die Konkurrenz zur Produktion pflanzlicher Lebensmittel immens.

Aufgrund der steigenden Nachfrage nach tierlichen Produkten ist von einer Verschärfung des Konflikts auszugehen: Die FAO schätzt, dass 2050 für die weltweite Versorgung rund 70 Prozent mehr tierische Erzeugnisse nötig sein werden. Gezielte Züchtung und Forschung für eine bessere Futterverwertung werden aber das Problem nicht lösen können. Zukunftsfähig sowie besser für Tiere und Menschen sind aus unserer Sicht nur Ernährungsweisen, die mit wenig oder ganz ohne Tierprodukte auskommen.

Der Artikel FAO: Kein Konflikt von Trog und Teller? wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Erste biozyklisch-vegane Betriebe anerkannt

Do, 25/01/2018 - 10:43

Pressemitteilung

© BNS Biocyclic Network Services Ltd

Die ersten zwei deutschen Ökobetriebe dürfen sich offiziell »biozyklisch-vegan« nennen und ihre Erzeugnisse mit dem Gütesiegel »biozyklisch-veganer Anbau« kennzeichnen. Damit kommen demnächst die ersten Produkte aus Deutschland mit diesem Label in den Handel. Zertifiziert wurden der Obstbaubetrieb »Biolandhof Hund« aus Meckenbeuren in Baden-Württemberg sowie die »PfalzBio GbR« im rheinland-pfälzischen Kandel, die vorwiegend Gemüse im Freiland anbaut.

Beide Biobetriebe hatten sich schon vor vielen Jahren entschlossen, vollständig nach veganen Prinzipien zu wirtschaften. Sie wurden 2017 als erste Betriebe in Deutschland von der Öko-Kontrollstelle LACON-Institut aus Offenburg nach den neuen biozyklisch-veganen Richtlinien kontrolliert. Bis Partner im Lebensmitteleinzelhandel gefunden sind, vermarkten die Betriebe ihre Erzeugnisse nur direkt vor Ort und künftig auch über Online-Shops.

Die Verbraucher profitieren von der Transparenz, die das biozyklisch-vegane Siegel garantiert. Die gelabelten Produkte sind nicht nur frei von sämtlichen Inhaltsstoffen tierischen Ursprungs. Bereits der Anbau erfolgt nach veganen Prinzipien. Die Betriebe schließen somit jeglichen Einsatz von »Nutztieren« zu kommerziellen Zwecken aus; ebenso von Dung oder sonstigen Betriebsmitteln von Tieren wie Hornspäne oder Blut- und Knochenmehle.

»Auf rein pflanzlicher Grundlage zu wirtschaften schont Umwelt sowie Ressourcen und vermeidet jegliche Ausbeutung von Tieren«, sagt Konstantinos Tsilimekis, Leiter des Wissenschaftsressorts der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. »Die Bodenfruchtbarkeit lässt sich auch – anders als häufig behauptet – ganz ohne sogenannte Nutztiere erhalten oder aufbauen.« Unterstützung bei der Umstellung finden Betriebe in Deutschland beim Verein Biozyklisch-Veganer Anbau. In diesem engagiert sich die Albert Schweitzer Stiftung als Mitglied seit dessen Gründung.

International gültig

Auch international ist das Gütesiegel für die Betriebe rechtlich anerkannt. Die Anbaumethode ist seit Ende 2017 global als Bio-Standard gültig und somit der EU-Bio-Zertifizierung gleichwertig. Seit die Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM) den Standard anerkannt hat, sind weltweit Kontrollen und Zertifizierungen von Betrieben nach den biozyklisch-veganen Richtlinien möglich. In diesem Jahr sollen weitere Betriebe in Deutschland zertifiziert werden, sodass immer mehr Produkte mit dem biozyklisch-veganen Siegel in den Handel kommen.

Ohne resistente Keime

Da biozyklisch-vegane Betriebe keine Exkremente von Tieren auf ihren Flächen ausbringen, besteht kein Risiko, dass antibiotikaresistente Keime aus der Tierhaltung auf die Felder gelangen. Bei herkömmlich erzeugten Lebensmitteln hingegen finden Wissenschaftler immer wieder multiresistente Erreger.

Über die Anforderungen der EU-Ökoverordnung hinaus legen die biozyklisch-vegan arbeitenden Betriebe besonderen Wert darauf, den Betrieb als Kreislaufwirtschaft in das umgebende Ökosystem einzubetten. Zudem fördern sie gezielt Humusaufbau, Bodenleben und Artenvielfalt. Die Bodengesundheit und Produktivität verbessert der biozyklisch-vegane Anbau mit rein pflanzlichen Präparaten wie reifem Kompost, Mulch und Gründüngung. Durch möglichst natürliche Wachstumsbedingungen lassen sich Pflanzenschutzmaßnahmen auf ein Mindestmaß verringern.

Der Artikel Erste biozyklisch-vegane Betriebe anerkannt wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

SchülerInnen laufen 10.000 km für Tiere

Mi, 24/01/2018 - 17:51
© Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

Wir sind beeindruckt und freuen uns über eine Spende von 3.423,53 € vom Förderverein der Anna-Seghers-Schule in Berlin-Adlershof! Das Geld kam im Rahmen eines Benefizlaufs zusammen, den SchülerInnen der Schule organisiert hatten.

Unter dem Motto »Gemeinsam läuft’s« hatten sich die SchülerInnen aller Klassenstufen persönliche Sponsoren, zum Beispiel Verwandte, gesucht. Diese spendeten für eine bestimmte zurückgelegte Strecke eine zuvor vereinbarte Summe. Bereits zum siebten Mal führte der Förderverein der Schule den Benefizlauf durch.

Bei dem Lauf am 13. Oktober 2017 war unser Straßenkampagnen-Team mit dem GrunzMobil vor Ort; das Team stand zu den Themen Massentierhaltung und pflanzliche Ernährung Rede und Antwort und lief sogar einige Runden mit. Die insgesamt 1.065 LäuferInnen kamen auf ganze 9.900,5 Kilometer, ein neuer Streckenrekord: So kamen stolze 20.541,21 € zusammen.

Unsere Stiftung teilt sich ein Drittel der Spendensumme mit dem Tierschutzverein für Berlin. Ein weiteres Drittel ging an die Kindernachsorgeklinik Berlin-Brandenburg und der Rest steht der Schule für Projektarbeit zur Verfügung. Die SchülervertreterInnen hatten zuvor darüber entschieden, welche Organisationen das Geld erhalten.

Die symbolische Spendenübergabe fand Anfang Januar beim feierlichen Neujahrsempfang in der Anna-Seghers-Schule statt. Anne Schäfer, die unsere SpenderInnen betreut, nahm das liebevoll gestaltete Plakat im Namen der Stiftung entgegen und bedankte sich mit einem kleinen Stoffschwein bei allen Beteiligten.

»Ein ganz herzliches Dankeschön an alle Menschen, die diese tolle Aktion zu einem solchen Erfolg geführt haben! Besonders bedanken möchten wir uns bei Jörg Holler für die tolle Zusammenarbeit, den ausdauernden LäuferInnen und natürlich ihren großzügigen SponsorInnen.«, fasst Anne Schäfer noch einmal zusammen.

Impressionen vom Benefizlauf gibt es hier.

Der Artikel SchülerInnen laufen 10.000 km für Tiere wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

IKEA reagiert auf unseren Protest

Sa, 13/01/2018 - 20:08

Der Druck auf IKEA von uns und anderen Tierschutzorganisationen aus ganz Europa zeigt Wirkung: Im Herbst 2017 teilte der Konzern mit, an der Anhebung seiner Standards für Masthühner zu arbeiten. Deren Fleisch landet in seinen Restaurants sowie in Shops in Hot Dogs und Köttbullar.

Seit Monaten drängen wir und andere Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen den Konzern dazu, endlich für mehr Tierschutz bei Masthühnern zu sorgen: In einer Petition (mit etlichen Zehntausend Unterschriften) sowie mit Aktionen auf Facebook fordern wir u. a. mehr Platz und Licht, Beschäftigungsmaterial, eine Abkehr von Qualzuchten sowie eine wirksame Betäubung vor der Schlachtung. Die dem zugrunde liegende europäische Masthuhn-Forderung haben wir im letzten Jahr gemeinsam mit mehreren internationalen Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen entwickelt.

Hühner vor IKEA

Um unserem Anliegen weiteren Nachdruck zu verleihen, haben wir jetzt erstmals direkt vor einer IKEA-Filiale unseren Protest geäußert. Unser Straßenkampagnenteam positionierte sich vergangenen Dienstag gemeinsam mit Aktiven unserer Hamburger Aktionsgruppe vor der Filiale in der Fußgängerzone in Hamburg-Altona. Auf Bannern und mit Hühnerkostümen forderten wir von IKEA, künftig u. a. keine Qualzucht-Rassen mehr zu nutzen; ein wesentliches Kriterium, das IKEA bislang nicht umgesetzt hat. Dabei hatte das Unternehmen schon vor Jahren versprochen, spätestens ab Ende 2016 keine Qualzucht-Hühner mehr einzusetzen.

Zwei Fernsehteams kamen für Interviews vorbei (siehe z. B. SAT.1 Regional, ab Minute 6:00). Auf Rückfragen der Medien gab IKEA bekannt, »die Kritik der Albert Schweitzer Stiftung sehr ernst« zu nehmen. Zudem nahmen viele Menschen unser Angebot an, Flyer mit Forderungen an IKEA direkt in der Filiale abzugeben.

IKEA reagiert mit unzureichendem Programm

Am Serviceschalter von IKEA sorgten unsere Flyer zunächst für Verwirrung. Das führte zu mehreren internen Telefonaten, die offensichtlich bis zur Konzernzentrale gingen. Denn nach einiger Zeit lag am Serviceschalter eine Pressemitteilung zum neuen Masthuhn-Programm bereit, die IKEA am selben Tag veröffentlicht hatte.

Das Better-Programm für Hühner geht auf unsere Forderungen ein, bleibt aber an einigen Stellen viel zu unkonkret, sodass nicht klar wird, ob IKEA unsere Forderungen erfüllen wird oder nicht. Deshalb gehen die Verhandlungen sehr intensiv weiter und IKEA arbeitet bereits an Konkretisierungen, die uns vermutlich in der nächsten Woche vorliegen werden. Wir bleiben dran und werden wieder berichten!

Hintergrund

IKEAs Ankündigung für ein eigenes Masthuhn-Programm war die für viele enttäuschende Rückgabe des Tierschutzpreises »Good Chicken Award« vorausgegangen: In Deutschland und vielen anderen Ländern musste der Konzern von seiner Auszeichnung durch Compassion in World Farming für erhöhte Masthuhn-Standards zurücktreten. Denn trotz einer großzügigen Übergangsfrist von mehr als fünf Jahren war es IKEA nicht gelungen, alle Punkte der inzwischen veralteten Kriterien zu erfüllen. Nachdem unsere konstruktiven Gesprächsversuche gescheitert waren, starteten wir unsere Kampagne, der sich nach und nach immer mehr Organisationen aus Europa und den USA angeschlossen haben. Deshalb verhandeln wir mit IKEA inzwischen über globale Masthuhn-Standards.

Mit seinen Restaurants zählt IKEA zu den zehn größten Gastronomieketten in Deutschland: Die Restaurants machten im Jahr 2016 mit 221 Mio. Euro nahezu so viel Umsatz wie die Sandwichkette Subway. Weltweit verkaufte der Konzern im selben Jahr Essen für rund 1,7 Milliarden Euro.

Der Artikel IKEA reagiert auf unseren Protest wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Bald Wiesenhof-Fleisch aus Zellkulturen?

Sa, 13/01/2018 - 20:08
© WDNStudio – CC0

Der größte deutsche Geflügelzüchter und -verarbeiter, die PHW-Gruppe, investiert neuerdings in tierleidfreies Fleisch. Der Mutterkonzern von Wiesenhof erwarb eine Minderheitsbeteiligung an dem israelischen Start-up SuperMeat. Dieses arbeitet daran, Fleisch aus tierlichen Muskelzellen im Labor zu züchten.

»Superfleisch« – Fleisch aus Zellkulturen

Für Fleisch aus Zellkulturen werden Tieren – im Fall von SuperMeat ausschließlich Hühner – Muskelzellen schmerzfrei entnommen. Nährlösungen und elektrische Reize regen sie an, sich zu vermehren und zu einem Gewebe heranzuwachsen. Die Technologie dahinter wird seit Jahren verwendet, um Herzklappen, Hautgewebe oder Ohrmuscheln im Labor zu züchten.

SuperMeat will explizit Tierleid vermeiden. Das Start-up vermehrt seine Zellen mithilfe einer rein pflanzlichen Nährlösung, dies ist bei anderen Unternehmen zum Teil noch nicht der Fall. »100 Prozent Fleisch, 0 Prozent Tierleid«, so der Slogan des Unternehmens.

Der erste Durchbruch auf dem Gebiet des »Kulturfleischs« gelang 2013. Damals stellte der niederländische In-Vitro-Forscher Dr. Mark Post den ersten Hamburger aus Zellkulturen-Rindfleisch vor. Inzwischen liefern sich eine Handvoll Unternehmen weltweit einen Wettlauf, Fleisch aus Zellkulturen auf den Massenmarkt zu bringen. SuperMeat will mit der Hilfe von PHW in drei Jahren erste marktreife Produkte entwickelt haben und an Restaurants liefern.

In fünf bis acht Jahren im Supermarkt

Für sein Großprojekt hat SuperMeat nach eigenen Angaben zuletzt 3 Millionen US-Dollar aus aller Welt gesammelt. Die Beteiligung von PHW dürfte das Kapital noch einmal deutlich erhöhen – über die genaue Summe wurde Stillschweigen vereinbart. Der deutsche Geflügelkonzern will das Start-up zudem in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Positionierung am europäischen Markt beraten.

SuperMeat-Geschäftsführer und -Mitbegründer Ido Savir ist sich sicher: »Diese Partnerschaft wird es uns ermöglichen, eine revolutionäre neue Generation schmackhafter, nachhaltiger Fleischprodukte in ganz Europa und darüber hinaus auf den Markt zu bringen«. Dieses Ziel will er bereits in fünf bis acht Jahren erreicht haben. Der Preis für das »Superfleisch« soll sich dann kaum von dem für konventionelles Geflügelfleisch unterscheiden.

Umdenken in der Fleischbranche?

Mit PHW/Wiesenhof beteiligt sich eines der größten Unternehmen in der deutschen Lebensmittelbranche an dieser Zukunftstechnologie. Zur PHW-Gruppe gehören circa 700 Aufzuchtbetriebe, 8 Schlachtereien und 5 Brütereien in ganz Deutschland. Pro Woche schlachtet die PHW-Gruppe rund 4,5 Millionen Hühner. Zusätzlich ist sie einer der führenden Anbieterinnen von Tierfutter und Impfstoffen für Tiere. Wiesenhof war in der Vergangenheit mehrfach durch Tierschutzverletzungen aufgefallen. Das hielt das Unternehmen aber nicht davon ab, ein kleines Sortiment an veganen Fleischalternativen einzuführen.

PHWs Investition in Zellkulturfleisch könnte sich als äußerst vorausschauend entpuppen. Schließlich wird immer deutlicher, dass das globale Wachstum der Fleischproduktion allein schon wegen immer knapper werdender Ressourcen nicht beliebig fortführbar ist. Hinzu kommt – zumindest aus vielen reichen Ländern – ein wachsender gesellschaftlicher Druck gegen Massentierhaltung & Co.

Andere Fleischkonzerne sehen in der Nachfrage nach Alternativen zum herkömmlichen Fleisch ebenfalls einen wichtigen Trend. Insgesamt begrüßen wir es sehr, wenn sich Fleischkonzerne nicht auf das Töten von Tieren festlegen, um Umsatz und Gewinn zu erwirtschaften.

Eine tier- und umweltfreundliche Alternative

Auch die Umwelt kann davon profitieren: Aktuelle Untersuchungen gehen davon aus, dass die Umstellung auf Fleisch aus Zellkulturen deutlich weniger Land als die »Produktion« von konventionellem Fleisch verbrauchen und viel weniger Treibhausgase freisetzen würde. Der Wasserverbrauch ist zudem geringer als bei der Haltung von Rindern, Schafen und Schweinen. Einzig der Stromverbrauch ist noch sehr hoch, da die Bioreaktoren bislang einen hohen Energiebedarf haben.

Dies merkt etwa auch das Karlsruher Institut für Technologie an, das zu den Auswirkungen von »In-vitro-Fleisch« forscht, wie Fleisch aus Zellkulturen gleichfalls genannt wird. Dort sieht man allerdings ebenfalls die Chancen: »In Zukunft könnte In-vitro-Fleisch jedoch vielleicht helfen, Probleme zu lösen, die unser Fleischkonsum im Hinblick auf eine wachsende Weltbevölkerung, den Klimawandel und Tierschutz bedeutet«.

Die Mehrzahl der Deutschen möchte bisher weiterhin Fleisch essen, wünscht sich aber weniger Tierqual, wie auch der aktuelle Ernährungsreport des BMEL bezeugt. Wenn diese Mehrheit zukünftig auf Fleisch aus Zellkulturen zurückgreift, wäre das ein großer Fortschritt für Tiere, Umwelt und Klima. Eine Umfrage der Karlsruher Forscher ergab, dass die Mehrheit der Befragten dem Zellkulturfleisch nicht abgeneigt wäre.

Unser Fazit

Die Vorstellung, bald Fleisch aus Zellkulturen im Supermarkt zu kaufen oder im Restaurant zu bestellen, wird immer realistischer. Für Menschen, die weiterhin Fleisch essen möchten, könnte das eine gute Alternative sein.

Der Artikel Bald Wiesenhof-Fleisch aus Zellkulturen? wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

Vegane Landwirtschaft als Standard anerkannt

Do, 11/01/2018 - 11:57

Pressemitteilung

© Michael-Heinrich – Pixabay CC0

Die Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM) hat den biozyklisch-veganen Anbau zu einem weltweit gültigen Bio-Standard erhoben. Damit existiert nun ein der EU-Bio-Zertifizierung gleichwertiger Standard für den veganen Landbau. Seit Ende 2017 können sich landwirtschaftliche Betriebe mit dem Gütesiegel »aus biozyklisch-veganem Anbau« zertifizieren lassen. So werben sie für diese Art des Pflanzenbaus und können neue Märkte erschließen.

Die biozyklisch-veganen Richtlinien beschreiben die Prinzipien einer zukunftsfähigen, kreislauforientierten und vegan ausgerichteten Form des ökologischen Landbaus. Ihre Umsetzung steigert die Bodengesundheit und Produktivität mit Hilfe rein pflanzlicher Präparate: Mit dem Einsatz von reifem Kompost und Mulch sowie Gründüngung leistet diese Art des Wirtschaftens einen aktiven Beitrag zum Humusaufbau.

Biozyklisch-vegan bewirtschaftete Betriebe bringen keine Exkremente von Tieren auf ihren Flächen aus. Somit besteht kein Risiko, dass antibiotikaresistente Keime aus der Tierhaltung auf den Feldern landen, auf denen Salat und Gemüse wachsen. Auf herkömmlich erzeugten Lebensmitteln finden Wissenschaftler hingegen immer wieder multiresistente Erreger.

Meilenstein für Landwirtschaft und Tierschutz

An der Erarbeitung der biozyklisch-veganen Richtlinien war u. a. der Verein Biozyklisch-Veganer Anbau beteiligt. In diesem engagiert sich die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt als Mitglied von Anfang an. »Die Auszeichnung des biozyklisch-veganen Anbaus als globaler Standard ist ein landwirtschaftlicher Meilenstein mit hohem Wert für den Tierschutz«, sagt Konstantinos Tsilimekis, Leiter des Wissenschaftsressorts der Albert Schweitzer Stiftung. »Er ermöglicht, schon beim Anbau von Lebensmitteln konsequent keine Tiere zu nutzen; darüber hinaus ist er ausgesprochen umweltfreundlich.«

Der biozyklisch-vegane Anbau kommt völlig ohne den Einsatz von »Nutztieren« zu kommerziellen Zwecken aus. Er benötigt zudem weder Dung oder sonstige Betriebsmittel von Tieren wie Hornspäne oder Blutmehle. Das eröffnet die Möglichkeit, auf rein pflanzlicher Grundlage besonders umwelt- und ressourcenschonend zu produzieren; vor allem aber unterstützt diese Anbaumethode keinerlei Ausbeutung von Tieren.

Gemüse gedeiht auch ganz ohne Gülle

Biozyklisch-vegane Anbaubetriebe betreiben Mischkultur, die zusammen mit anderen bodenschonenden Methoden die Artenvielfalt aktiv fördern. Sie unterstützen die Mikroorganismen im Boden und schaffen möglichst natürliche Wachstumsbedingungen. So lassen sich Pflanzenschutzmaßnahmen auf ein Mindestmaß verringern. Anders als häufig behauptet kann die Bodenfruchtbarkeit somit auch ganz ohne Züchtung und Haltung von Schlachttieren erhalten bzw. aufgebaut werden.

Ein weiterer Vorteil: Die Kunden können den Weg der biozyklisch-vegan zertifizierten Waren bis auf das Feld, von dem sie stammen, zurückverfolgen. Das bietet Transparenz und Sicherheit: Aufkleber auf Früchten oder Verpackungen enthalten hierfür eine Rückverfolgbarkeitsnummer. Einige Produkte ermöglichen bereits, damit online Auskunft zum Erzeuger, Feld sowie Ernte- und Verpackungszeitpunkt zu erhalten; daneben erfährt der Kunde Wissenswertes zur Anbauregion und zur Sorte.

Griechenland: Biovegan aus Tradition

In Griechenland wirtschaften bereits 80 kleinbäuerliche Betriebe nach den biozyklisch-veganen Richtlinien und exportieren ihre Produkte nach ganz Europa. Da landwirtschaftliche Betriebe in Griechenland Pflanzenbau und Tierhaltung traditionell getrennt betreiben, sind die dortigen Ackerbaubetriebe bereits seit Generationen darauf ausgelegt, auch ohne tierlichen Dung arbeiten zu können. Ihre Erfahrung können andere Landwirte nutzen, die auf die biozyklisch-vegane Erzeugung umstellen möchten. Der Verein Biozyklisch-Veganer Anbau hat sich zum Ziel gesetzt, in Deutschland Betriebe für diese tier- und umweltfreundliche Art des Landbaus gewinnen.

Die Zeichenvergabe des Gütesiegels »aus biozyklisch-veganem Anbau« erfolgt durch die Biocyclic Network Services mit Sitz in Zypern. Sie arbeitet mit internationalen Partnern in verschiedenen Ländern zusammen. Für die Betriebe besteht dabei die Möglichkeit, die Kontrolle der biozyklisch-veganen Erzeugung mit einer EU-Bio-Kontrolle oder einer anderen Verbandskontrolle zu verbinden. Denn Erzeuger mit der Zertifizierung erfüllen auch die EU-weit gültigen Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau.

Von der Anerkennung der biozyklisch-veganen Richtlinien als Bio-Standard durch die IFOAM profitieren Verbraucher, Tiere und Landwirte. Die von der IFOAM anerkannten Bio-Standards sind miteinander vergleichbar, was den internationalen Handel mit Bioprodukten erleichtert. Die IFOAM verfolgt damit das Ziel, weltweit ökologisch, sozial und ökonomisch vernünftige Systeme auf den Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft einzuführen.

Der Artikel Vegane Landwirtschaft als Standard anerkannt wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.